Clearwater – Jasper (342 km)

Eigentlich waren wir schon um 7.00 Uhr startklar. Wir müssen aber noch an der Sani-Station dumpen (d.h. Abwasser ablassen) und benötigen zum Öffnen der Abwasserrohre einen Schlüssel. Wie der Typ an der Rezeption Olaf erzählt, war es notwendig, die Abwasserrohre zu verschließen, damit wirklich nur KOA-Campground-Gäste die Sani-Station benutzen … und nicht die vielen Camping-Urlauber, die aus den Natur-Plätzen des Wells Gray Provincial Park zurückkehren …
Aufgrund des hiermit zusammenhängenden Zeitaufwandes (Rezeption öffnet praktischerweise erst um 7.30 Uhr, Schlüssel abholen, dumpen, Schlüssel wieder zurückbringen) geht es dann tatsächlich doch schon um 7.45 Uhr los.

Kurz hinter Avola ein Anblick, auf den wir lieber verzichtet hätten: wir sehen unseren ersten Bären – leider tot auf dem Bauch am Straßenrand liegen, offenbar von einem Auto, Truck o.ä. angefahren … Und wir möchten doch so gern endlich lebende Bären sehen …

Weiter geht’s und hinter jeder Kurve tauchen neue Berge und neue Wälder auf. Auf dem Highway 5 herrscht wenig Verkehr – deshalb fallen vier Trucks mit Overload Size und Begleitfahrzeugen um so mehr auf, zumal sie mindestens mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit (100 km/h) an uns vorbeirauschen … in Deutschland undenkbar, dort dürfen Schwertransporte maximal 62 km/h fahren.

Hinter Blue River – aber noch vor der zunächst letzten Tankstelle – sehen wir ein Schild, das uns von den Überlandfahrten inzwischen schon vertraut ist „Check your fuel, next gas at … km“. In diesem Fall sind es dann nur 90 km ohne Tankstelle.
Unser Tank ist noch gut gefüllt, also fahren wir ohne Halt und ohne Bedenken weiter.

Auf dem Highway 5 begegnen und überholen uns sehr viele Logging-Trucks. Diese Lkws mit den vielen langen Holzstämmen auf dem Anhänger brettern ebenfalls in einem solchen Tempo an uns vorbei, dass ich die Kamera kaum aus der Tasche, geschweige denn angeknipst kriege …

Bei Tete Jaune Cache wechseln wir vom Highway 5 auf den Highway 16 East, der uns direkt nach Jasper führt. Wir fahren am Mount Robson – mit 3954 m der höchste Berg Kanada’s – vorbei und machen unzählige Fotos! Für den Mount Robson Provincial Park werden – sehr ungewöhnlich für Kanada – Permits für Camper und Mehrtageswanderer in begrenzter Anzahl ausgegeben – so behält man zum Schutz der sensiblen Natur die Besucheranzahl im Park gut im Griff.

Inzwischen nähern wir uns wieder den Rockies – die vielen Gipfel um uns herum reichen von 2500 m bis 3500 m, auf kleinen Schildern am Straßenrand ist jeweils Name und Höhe des gegenüberliegenden Gipfels angegeben.
Kurz vor Jasper überholt uns sehr zügig ein Porsche, den wir dann nur wenige Minuten später in einem kleinen Stau wiedertreffen. Aufgrund des Fahrstils sind wir von einem jungen Mann ausgegangen – aber weit gefehlt: aus dem Auto steigt ein 70 – 75 Jahre alter Mann. Alfred (sowohl an Jahren als auch hinsichtlich des Fahrstils vergleichbar) würde jetzt mit einem verschmitzten Grinsen sagen „der Mann hat einen sehr schweren (Gas)Fuß …“

In diesem Stau haben wir außerdem gelernt, den richtigen Zeitpunkt wertzuschätzen. Es gilt nicht nur Frischwasser aufnehmen, dumpen und tanken, wann immer sich die Gelegenheit bietet … Nein, das Gleiche gilt auch z.B. für das Aufsuchen einer Toilette …

In Jasper angekommen besuchen wir zunächst die Visitor-Info und eine Bank, bevor wir uns in den Shopping-Rausch stürzen und jede Menge witziger T-Shirts für Olaf, Jan-Kjell, Jara-Marie und mich erstehen.
Dann noch schnell ein paar Lebensmittel besorgt, zum riesigen (über 700 Stellplätze) in einem lichten Wald gelegenen „Whistlers Campground“ gefahren, eingecheckt, die Site besichtigt und dann ohne weiteren Aufenthalt zur Jasper Tramway aufgebrochen … Wir wollen schließlich heute noch auf Jasper’s Hausberg „Whistlers“.

Die Seilbahn bringt uns auf 2225 m Höhe, der Rest zum Gipfel (2450 m) wird mehr (Olaf) oder minder (Susanne) sportlich zu Fuß erledigt. Schließlich stehen wir außer Atem, aber glücklich oben und schauen uns um. Die Sicht ist heute leider nicht so gut, die Sonne scheint nicht und es ist ziemlich trüb, wir können aber zumindest sehen, dass der Ort Jasper witzigerweise in Form eines riesigen „J“ angelegt ist.

Nach dieser sportlichen Leistung – nicht grinsen, die Luft ist in über 2000 m doch schon ziemlich dünn für uns Flachlandbewohner! – haben wir uns ein besonderes Abendessen verdient!
Olaf ist schon ganz aufgeregt, wir haben für diesen Stellplatz auch ein Fire-Permit bezahlt, das uns erlaubt, zum ersten Mal in diesem Urlaub ein Lagerfeuer zu machen!

Damit gibt‘ kein Entkommen mehr für die inzwischen durch halb Kanada transportierten Steaks – sie werden sehr gekonnt von Olaf gegrillt und schmecken einfach nur lecker!
Dazu ein Glas Rotwein und die Campingwelt ist gerettet …

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