Grand Prairie nach Lesser Slave Lake, Martin River Campground (343 km)

 Grande Prairie ist die größte Stadt im nordwestlichen Teil von Alberta (ca. 55.000 Einwohner). Auf den ersten Blick bietet sie allerdings keine touristischen Highlights, der Ort ist als Verwaltungs- und Wirtschaftsstandort zweckmäßig und praktisch angelegt, kein reizvolles Ziel zum Verweilen, aber das mag auch an der Dunstglocke liegen, die schwer über der Stadt hängt.

Heute morgen sind schon wieder „Smog“  und deutlich wahrnehmbarer Rauchgeruch durch die nach wie vor aus British Columbia herüber ziehenden Rauchwolken angesagt. Wir starten gegen 10.00 Uhr und verlassen Grande Prairie, Richtung Highway 43 East in Richtung Edmonton. Der Horizont liegt im Dunst, die Landschaft wirkt wie mit einer riesigen Dunstglocke überzogen. Wir sind gespannt, wann wir wieder blauen Himmel und die Sonne sehen.

45 km hinter Grande Prairie überqueren wir den Smoky River – wer den Fluss so genannt hat, hatte sicherlich ein ähnliches Erleben wie wir heute (ich muss mal nachschlagen, wie der Fluss zu seinem Namen gekommen ist…). Nein, keine Waldbrände waren es, die die hier siedelnden Cree zu ihrer Namensgebung veranlassten, sondern Schwelbrände an den Ufern aufgrund der Lagerstätten von Steinkohle (Danke Wikipedia).

Auf dem vierspurigen Highway 43 kommen uns kurz hintereinander zwei LKW entgegen, die komplette Häuser transportieren. 🙂 Und wieder Schilder, die zur Vorsicht mahnen “think and drive – safety starts with you”.

Bei Valleyview wechseln wir auf den Highway 49 Richtung Norden. Die Straße ist in diesem Abschnitt neu asphaltiert – eine Wohltat für das Wohnmobil, Olaf, mich und meinen Zahn! 🙂 Wir sind schon 36 km auf dem Highway 49 unterwegs, als sich das erste Mal noch sehr zögerlich die Sonne zeigt. Der Himmel ist nach wie vor dunstig…

Kurz vor Guy bekommt der Smoky River Gesellschaft – wir überqueren den Little Smoky River und wechseln auf den Highway 2a East – bis Slave Lake sind es noch 160 km. Wir haben Westwind, macht das Fahren für Olaf entspannter, aber leider treibt der Wind die Rauchwolken und den Dunst ebenfalls in Richtung Osten…

Kurze Zeit später – in the middle of nowhere – wechselt der Highway 2a zum Highway 2. In High Prairie sehen wir das erste Mal auf dieser Reise unser Lieblingsrestaurant – “Smitty’s”. 🙂

Seit dem Wechsel auf Highway 2a/2 verändert sich die Landschaft. Es ist relativ eben und eine Farm-und Weidelandschaft verdrängt die Wildnis.

Tankstopp in Slave Lake. Eine für deutsche Verhältnisse kleine Gemeinde, für kanadische Verhältnisse ein größerer Ort mit ca. 7000 Einwohnern, gegründet im frühen 19. Jahrhundert als Pelzhandelsposten und südöstlich des Lesser Slave Lake gelegen. Dann nehmen wir die letzten 30 km zu unserem Campingplatz in Angriff und biegen schließlich zum Martin River Group Camping ab… aber dort findet sich unser Stellplatz nicht…

Es gibt auch nur einen Loop und die Stellplätze sind alle nicht nummeriert. Komisch. Während wir noch stehen und im Internet nochmal die Lage des Campgrounds checken, weist eine freundliche Kanadierin uns daraufhin, dass wir zu früh abgebogen sind – der kleine Campingplatz hier ist für “privat camping”. Der eigentliche Campground liegt ein paar Kilometer weiter. Sie tröstet, dass darauf bereits so einige Campinggäste hereingefallen sind …

Unsere Site ist vom Strand maximal 100 m entfernt, was man kaum glauben kann, denn wir befinden uns im dichten Wald, der bis ans Ufer des Lesser Slave Lake heranreicht. Wir sitzen 1,5 Stunden am Strand, schauen zu, wie die Sonne versucht, den dunstigen Himmel zu durchbrechen. Eine wohlbeleibte Frau steht ca. 50 m vom Ufer im See und angelt sich ihr Abendbrot… Ich gehe nur bis zu den Knien hinein, um meine Mückenstiche zu kühlen. Der Lesser Slave Lake ist „muddy“ (schlammig und matschig) – so trübe ist nicht mal unsere Nordsee.

Zurück auf dem Campingplatz machen wir dort noch einen kleinen Spaziergang, wobei Olaf sich als Gentleman erweist. Eine Menge kleiner Kinder drehen unermüdlich Runden auf ihren kleinen Fahrrädern. Ein Mädchen aus der Horde hat ihren Schuh verloren. Nun steht sie mitten auf dem Weg, hält ihr Fahrrad krampfhaft fest, der Schuh liegt ca. 30 m hinter ihr und sie sieht unglücklich aus, rührt sich aber nicht vom Fleck. Als Olaf fragt, ob er ihr den Schuh holen darf, freut sie sich und bedankt sich artig. Das fällt hier – im Unterschied zu Deutschland sehr auf – die Kinder sind alle sehr wohlerzogen…

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